Timo – einen Sommer im Wald

Ziemlich zu Beginn meiner Tätigkeit als Tierkommunikatorin bekam ich eine kurze Email. Eine verzweifelte junge Frau, die eine Pflegestelle für Straßenhunde aus Spanien hat schickte mir ein Foto von einem großen grauen zotteligen Hund, der weggelaufen war und fragte mich, ob ich auch vermisste Tiere suche. Ich dachte mir so, immer noch sehr zweifelnd und unsicher, also wenn ich jetzt den Ort herausbekomme, dann helfe ich bei der Suche. Ich hatte wie gesagt, nur die Email-Adresse und das Foto keine weiteren Angaben. Also, schloss ich meine Augen, erdete mich und dachte an den Hund Timo. Dann sagte mir meine innere Stimme, Heroldsbach. Ok, Heroldsbach? Ich fahre mehrmals im Jahr nach Heroldsbach, weil es dort eine Pilgerkirche gibt und ich mir dort Wasser aus einer heiligen Quelle hole. Was soll das denn, dachte ich. Die meisten Menschen, die meine Hilfe suchen kommen von weiter weg, verteilt aus ganz Deutschland. Das wäre ja ein Zufall, denn Heroldsbach ist nur etwa 30 km von meinem Wohnort entfernt. Ich schrieb also zurück an Cornelia, wie die Pflegmutter von Timo heißt, dass ich ihn in Heroldsbach vermute, ob das möglich ist. Sie war sofort ganz aus dem Häuschen, denn Timo wurde nach Forchheim, was etwa 8 km von Heroldsbach entfernt liegt, vermittelt und ist noch am gleichen Tag an dem er in seiner endgültigen Familie ankam fortgelaufen. Als Cornelia mit mir Kontakt aufnahm war Timo bereits drei Wochen unterwegs und alle herkömmlichen Suchoptionen, wie Suchanzeigen etc. waren ausgeschöpft und es gab keinerlei Sichtungen. Auch meine Kontaktaufnahme mit Timo fiel eher dürftig aus, wie so oft bei vermissten Tieren, da diese ziemlich verstört sind und kaum kommunizieren. Unser Kontakt war an einem Feiertag und ich hatte genügend Zeit, so dass ich auch nach Heroldsbach fuhr um zu schauen, ob ich etwas herausfinde und natürlich um mir mein Heilwasser zu holen. Meine Intuition führte mich in ein Waldstück, an dem auch drei kleine Karpfenweiher lagen. Reichliches Nahrungsangebot, dachte ich mir so, als ich die Entenfamilien sah, die auf den Weiher schwammen. Ich parkte dort mein Auto und lief ein Stück in den Wald hinein, ich bat um ein Zeichen wenn ich richtig bin und in diesem Augenblick sah ich hinunter und sah, dass dort Federn lagen von einer Ente, die ein Tier gerissen hatte. Natürlich hätte das auch ein Fuchs gewesen sein können, aber gut ich habe nun mal nach einem Zeichen gefragt. Also gab ich Cornelia dieses Waldstück bekannt, damit sie und ihre Helfer dort nach Timo suchen können. Zwar hatte Cornelia auch das Gefühl das Timo in der Nähe war aber gefunden haben sie ihn nicht. Wir vermuteten, dass wir mit unserer Suche ihn eventuell sogar verscheucht haben und waren voll im Verstand und malten uns sämtliche Geschichten aus, die natürlich alle nicht stimmten. Das Gute an dieser Aktion war, dass wir ihn tatsächlich hochgescheucht hatten und es zwei Sichtungen gab. Cornelia suchte noch ein paar Mal weiträumig nach ihm aber leider ohne Erfolg.

Ich sprach dann immer wieder mal mit Timo um ihn zu beruhigen und um ihm Mut zu machen, denn so wie ich ihn verstand hatte er kein Vertrauen mehr. Er hatte sich in der Pflegefamilie so wohl gefühlt und niemals damit gerechnet, dass er hier wieder wegmuss. Es war für ihn der totale Schock und er war so traurig und verletzt, dass er einfach nur noch weg wollte. Er zog sich in den Wald zurück und antwortete mir auch nicht mehr. Ich habe ihm eine starke energetische Behandlung zukommen lassen, die ihm Mut schenken sollte und natürlich Trost. Immer wieder sagte ich ihm, er muss sich zeigen und wenn zurückkommt, wird er bei seiner Cornelia für immer bleiben.

Cornelia und ich blieben im Kontakt, immer wieder erkundigte ich mich, ob es Neuigkeiten gibt und wir gaben die Hoffnung nicht auf.

Es verging die Zeit ohne Sichtungen und manchmal dachten wir, vielleicht lebt er schon nicht mehr. Aber dann nach ungefähr vier Monaten gab es zwei Sichtungen. Timo soll nachts in der Nähe von Forchheim in einer Schrebergartenanlage gesehen worden sein. Cornelia war zuerst skeptisch, aber es wurde eine Nachtsichtkamera aufgestellt und siehe da, es zeigte sich ziemlich schnell das dieser Hund der nachts in der Schrebergartenanlage nach essbaren suchte, der liebe Timo war. Ich schickte ihm gleich was Energetisches, was ihm Mut und Zuversicht schenken würde. Ich erzählte ihm auch ein paar Mal, dass Cornelia ihn immer noch sucht und so gerne möchte das er wieder in seinem Rudel lebt.

Zügig wurde eine Lebendfalle aufgestellt und gewartet. Natürlich machte Timo es ein bisschen spannend und schaute nicht gleich vorbei. Aber er kam und er interessierte sich auch für die Lebendfalle, aber die war zu klein, er konnte sich das Futter herausholen ohne die Falltür zu aktivieren. Dieses Spiel wiederholte sich vierzehn Nächte, wobei er nicht jede Nacht hintereinander kam. Es war ein Geduldstraining und die Nerven von Cornelia und ihrer Familie lagen blank.

Nachdem die Falltür einfach nicht schloss, wurde eine größere Falle aufgestellt und er kam jetzt sehr zuverlässig. In der ersten Nacht wurde die Falltür nicht aktiviert und die Nachtsichtkamera machte ein Foto von ihm. Er saß mitten in der Falle und schaute in die Kamera, als wenn er sagen wollte warum geht denn die Tür jetzt nicht zu, ich warte.

 

 

 

 

 

 

In der nächsten Nacht war es dann so weit. Er ging in die Falle und die Nachtsichtkamera zeigte ihn, wie er sich hingelegt hat und wartete was denn nun passiert.

Cornelia holte ihn noch in der Nacht nach Hause und die Freude war riesig. Timo leckte alles ab, seine Leute und die anderen Hunde, er sprang von einem Hundekörbchen in das andere und wedelte die ganze Zeit mit dem Schwanz. Happy End, er war wirklich total glücklich, genauso wie Cornelia und ihre Familie und ich war natürlich auch ziemlich froh und hatte den ganzen Tag ein Lächeln im Gesicht. Timo war fünf Monate und acht Tage verschwunden und ich hoffe diese Geschichte macht jenen Menschen Mut, die ihr Tier schon lange vermissen. Er war laut Tierarztuntersuchung in einem bemerkenswert guten Zustand und hatte das halbe Jahr im Wald gut überstanden. Gerne wüsste ich was Timo in dieser langen Zeit alles für Abenteuer erlebt hat, aber da kann ich ihn ja mal in nächster Zeit fragen. Jedenfalls hat er sich während seiner Rückzugszeit sehr verändert, er ging als armes trauriges Tröpfen mit hängendem Kopf und er kam zurück als sehr glücklicher und dankbarer Hund, der vertraut. Er ist glücklich, Cornelia meinte, er wäre einen Sommer lang auf Selbsterfahrungsreise gewesen. Ich muss schmunzeln, ich frag mich wie er das empfunden hat, diese Stimme aus dem Nichts, die mit ihm gesprochen hat, die ihm Mut gemacht hat und vieles versprochen…