Gestern habe ich mich entschieden, dass mein Buch fertig ist.
Das hört sich so einfach an. Eigentlich ist es auch nur ein Satz. Aber als ich den Probedruck bestellt hatte, saß ich noch lange vor dem Bildschirm und habe einfach nur nachgedacht.
Ich glaube, das Buch ist viel älter, als ich bisher dachte.
Die erste Geschichte war über Bobby. Damals lebte Mia noch. Wenn ich jetzt zurück rechne, habe ich dieses Buch wahrscheinlich schon vor ca. acht Jahren begonnen. Lange Zeit lagen nur ein paar Geschichten da. Immer wieder dachte ich, irgendwann schreibe ich weiter.
Gestern wurde mir plötzlich klar, warum das damals gar nicht möglich gewesen wäre.
Es fehlten mir keine Geschichten. Es fehlte mir das Leben.
Shine war damals noch nicht in meinem Leben. Viele Tiere, die heute in diesem Buch vorkommen oder mich tief berührt haben, kannte ich noch gar nicht. Ich hatte vieles noch nicht erlebt und manches noch nicht verstanden.
Als ich in den letzten Wochen über Mia geschrieben habe, hatte ich oft das Gefühl, dass sie immer noch da ist. Nicht so, wie früher. Aber auf eine andere Weise. Ich habe gemerkt, dass sie mich bis heute begleitet und dass ich selbst oft vergessen habe, sie auch nach ihrem Tod in meinem Leben zu lassen.
Das war einer dieser Momente, in denen ich das Schreiben unterbrechen musste. Während ich dieses Buch schrieb war ich so oft berührt und die Erinnerungen und die Wahrnehmung der Verbundenheit öffneten mein Herz nach und nach immer weiter.
Vielleicht ist genau deshalb dieses Buch für mich so viel mehr geworden als eine Sammlung von Tiergeschichten.
Es ist eine Reise durch mein eigenes Leben.
Durch Erinnerungen und durch Erfahrungen. Durch Tiere, die mein Herz geöffnet haben.
Und je weiter sich mein Herz geöffnet hat, desto stärker habe ich diese tiefe Verbundenheit von allem, was ist, wahrgenommen.
Das Verrückte daran ist, dass man so etwas niemandem beibringen kann. Es passiert einfach.
Ich kenne dieses Gefühl von Menschen, die einen Raum betreten und plötzlich verändert sich etwas. Vielleicht habt Ihr das selbst schon erlebt. Manche nennen solche Menschen Gurus. Ich war auf Veranstaltungen, auf denen jeder das Gefühl hatte, genau angesehen zu werden. Dabei waren Hunderte Menschen im Raum und jeder einzelne dachte, das er gesehen wird.
Bei Tieren ist es manchmal ganz ähnlich.
Wenn wir ihnen wirklich in die Augen schauen, geschieht etwas, das sich kaum erklären lässt.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich dieses Buch geschrieben habe.
Nicht, um etwas zu lehren.
Sondern um etwas spürbar zu machen.
Gestern durfte ich dann noch eine schöne Entscheidung treffen.
Ich habe überlegt, wer dieses Buch als Erstes lesen soll.
Es wurden zwei Freundinnen und eine Buchhändlerin.
Alle drei lieben Bücher. Alle drei lieben Tiere. Und alle drei haben etwas, das ich sehr schätze: ein offenes Herz.
Während ich ihre Namen aufgeschrieben habe, musste ich lächeln.
Wenn ich Freundinnen erfinden müsste, würde ich Karel und Patricia erfinden.
Und wenn ich einen Buchladen erfinden müsste, dann genau diesen. 
Dort habe ich schon Lesungen erlebt, die mich tief berührt haben. Es gibt einen wunderschönen Raum mit einem großen Fenster zum Innenhof. In den Pausen steht dort ein riesiger Teekessel und irgendwie fühlt sich alles so an, als wäre es mit Liebe eingerichtet worden.
Vielleicht sind genau das die Menschen und Orte, die unser Leben verändern.
Nicht, weil sie laut sind.
Sondern weil sie uns still daran erinnern, wie sich ein offenes Herz anfühlt.
Ich bin unendlich gespannt, was die drei Frauen zu meinem Buch sagen werden. Mal sehen wie es danach weiter geht.
Und ich freue mich darauf, Euch auf dieser Reise mitzunehmen.
Ach ja und wenn ich mein Leben erfinden müsste, dann würde ich genau meines erfinden…
Von Herzen
Claudia Elisa